DEEP SEA MINING

 

EDITORIAL: DIE DREISTE WUNSCH, DEN OZEAN ZU ZERSTÖREN

Am 4. März 2021, unter der Leitung von Daniela Camboni, die Finanzanalyse-Website Stansberry Research, die seit über zwanzig Jahren eine der Säulen der Weltanschauung des Mineralressourcenmarktes darstellt, sendet ein Interview von grundlegender Bedeutung[1]. Camboni ist ein Star des globalen Finanzjournalismus und leitete 12 Jahren lang KitCo News – einen Web- und TV-Kanal, der sich nur mit Mineralien befasst. In dieser Zeitspanne ist Daniela Camboni, von einer jungen Frau, zur Leiterin eines Multimillionen-Dollar-Imperiums geworden. Die damals unbekannt und voller ehrgeiziger Journalistin ist mittlerweile zu einem der berühmtesten Gesichter und Stimmen im globalen Web geworden.

Daniela Camboni interviewt gleichzeitig Gerard Barron, Vorstandsvorsitzender eines kanadischen Unternehmens namens The Metals Company, und den Milliardär Frank Giustra, der als Bergbauexperte und Philanthrop vorgestellt wird. Das Thema des Interviews ist die Vorstellung der Geburtsstunde eines neuen multinationalen Unternehmens, The Metals Company, das aus der Fusion der (bislang unbekannten) SOAC Sustainable Opportunities Acquisition Corporation Vancouver und DeepGreen Metals Inc. Vancouver hervorgegangen ist. Das Unternehmen ist dabei, den Boden des Pazifischen Ozeans auszugraben, um Mineralien zu sammeln, die laut Prognosen auf der Erdoberfläche immer seltener werden: Kobalt, Nickel, Kupfer und Mangan[2].

Die Sendung unterstützt den folgenden Standpunkt: Durch das Graben des Meeresbodens kann die Menschheit über bisher ungeahnte Mengen an Materialien verfügen, die für die Entwicklung ökologisch nachhaltiger Technologien erforderlich sind. Seit zwanzig Jahren argumentieren NGOs auf der ganzen Welt jedoch das Gegenteil: Das Graben des Meeresbodens zerstört ein ganzes Ökosystem, von dem wir wenig oder gar nichts wissen, gefährdet die geologische und tektonische Stabilität der Kontinente, verschmutzt und erwärmt den Ozean auf einer irreparabler Art und Weise, und könnte zum sprichwörtlichen Strohhalm werden, der den Rücken des Kamels aus dem Umweltgleichgewicht zerrt.

Aus diesem Grund wird seit über einem Vierteljahrhundert das Projekt des Abbaus des Meeresbodens fast im Verborgenen fortgesetzt und durch den Einsatz einer von den Vereinten Nationen gegründeten Agentur, der ISA International Seabed Authority aus Kingston (Jamaika), welche mehr Niederlagen als Siege erzielt hat, und trotzdem Bergbaulizenzen an internationalen Konsortien erteilen durfte.

ISA hat bisher versucht, glaubhaft zu machen, dass es sich um eine Operation handelt, an der über hundert Nationen der Welt einträchtig beteiligt sind, und dass sie damit den Entwicklungsländern eine große Chance geben, reich zu werden. Aber die Länder, die zuerst gegraben haben (Papua-Neuguinea, Tonga, Nauru und Kiribati), haben sich jetzt zurückgezogen, zeigen Angst und versuchen nun verzweifelt (und vergeblich), die Bulldozer aufzuhalten.

Zu spät. Die Fusion zwischen SOAC und DeepGreen Metals macht offiziell, was seit Jahren zu beweisen versucht wurde, mit intensiven Untersuchungen im Labyrinth der Pyramidenkonstruktionen undurchsichtiger Finanzunternehmen in Steueroasen und zwar: Es gibt nur ein einziges Projekt, das alle zusammenbringt – russische Oligarchen, amerikanische und kanadische Milliardäre, Abenteurer aller Herkunft, UN-Beamte, die sich selbst als Götter vorkommen, blinde oder korrupte Politiker. Das Projekt wird zur Realität und soll in diesem neuen Jahrzehnt mit graben in der Mitte des Pazifischen Ozeans beginnen[3]. Man hatte sich jahrelang hinter der Fassade von Dutzenden von Akronymen versteckt, die fast alle unbekannt waren, aber jetzt hat man sich entschieden, dass es keinen Grund mehr zur Vorsicht gibt: Frank Giustra, zum Beispiel, hatte bisher die Geheimhaltung seiner Teilnahme energisch verteidigt.

Wir können wenig tun, aber wir müssen es tun: Wir müssen so vielen Menschen wie möglich zeigen, was passiert ist und, im ernst, was passieren könnte. Zeigen, wie viele verrückte Projekte aus dem Traum der Ausgrabung des Pazifischen Ozeans hervorgegangen sind und nun darauf abzielen, auch das Mittelmeer oder das Karibische Meer, nur wenige Kilometer von den Küsten entfernt, auszugraben. Projekte, die nicht nur in den Händen von Bergbauunternehmen liegen, aber auch von Unternehmen, die nach Gold-, Öl- suchen oder der Militärindustrie gehören. Weil das Projekt zur Ausbeutung des Meeresbodens noch schlimmere Alpträume verbirgt. Und wir versuchen leider erst jetzt, alle zum Aufwachen zu bringen, als es vielleicht schon zu spät ist.

 

[1] https://www.youtube.com/watch?v=ZI5AulS82Ds

[2] https://www.youtube.com/watch?v=ZI5AulS82Ds

[3] 2021.03.04 Sustainable Opportunities Acquisition Corp. Merger Prospectus; https://sec.report/Document/0001213900-21-016758/

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