{"id":192,"date":"2020-09-22T23:35:31","date_gmt":"2020-09-22T21:35:31","guid":{"rendered":"http:\/\/ibiworld.eu\/de\/?p=192"},"modified":"2020-09-24T23:41:49","modified_gmt":"2020-09-24T21:41:49","slug":"zum-tod-von-alfa-alfa","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ibiworld.eu\/de\/zum-tod-von-alfa-alfa\/","title":{"rendered":"ZUM TOD VON ALFA-ALFA"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft wp-image-193\" src=\"https:\/\/ibiworld.eu\/de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/ITA005-01.jpg\" alt=\"\" width=\"500\" height=\"338\" srcset=\"https:\/\/ibiworld.eu\/de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/ITA005-01.jpg 800w, https:\/\/ibiworld.eu\/de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/ITA005-01-600x405.jpg 600w, https:\/\/ibiworld.eu\/de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/ITA005-01-300x203.jpg 300w, https:\/\/ibiworld.eu\/de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/ITA005-01-768x518.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><\/p>\n<p>Aldo Anghessa ist tot. Der legend\u00e4re Alpha-Alpha, a.k.a Agent Lotti-Ghetti, oder Commander Manfredini. W\u00e4hlen Sie aus Tausenden von erfolgreichen Masken. Er starb allein und einsam, wie er immer gelebt hat, auch wenn er unter den anderen Menschen war, Schauspieler eines spektakul\u00e4ren St\u00fccks, dessen Autor, Protagonist und Regisseur immer er war, und dass an die Stelle seiner wahren Existenz, seiner wahren Gef\u00fchle seines wahren Selbst auftrat.<\/p>\n<p>Die Presse aus Como und dem Tessin, die sich noch an ihn erinnert, wusste bei der Ank\u00fcndigung seines Todes nicht einmal, wie sie ihn definieren sollte. Am Ende schrieben sie &#8222;ex 007 aus Bergamo&#8220;, aber Aldo war nichts davon &#8211; er war nie ein Geheimdienstagent gewesen, das war nur seine \u00f6ffentliche Fassade, um Geld von seinen Opfern zu bekommen. Er stammte nicht mal aus Bergamo, sondern aus einer sizilianischen Familie und verbrachte fast sein ganzes Leben zwischen Como, Chiasso, Bellinzona und Casco, einem abgelegenen Dorf auf dem H\u00fcgel hinter Bellagio, wo ihn niemand finden konnte und wo er in den Momenten, in denen er nicht Genug Geld aus sonst jemanden herauspressen konnte, von der Unterst\u00fctzung einer Apothekerin lebte, die wahnsinnig in ihn verliebt war: Weil Aldo starke und durchdringende blaue Augen hatte, war tapfer und maskierte seine v\u00f6llige Inkompetenz in jeglichem Thema sehr gut, somit viele Frauen verehrten ihn &#8211; und nicht nur weil er das gr\u00f6\u00dfte prahlerische Genie war, das ich je gekannt habe.<\/p>\n<p>So ausgedr\u00fcckt, habe ich wahrscheinlich den Eindruck erweckt, ich h\u00e4tte ihn verachtet, aber das ist v\u00f6llig falsch. Ich hatte ihn widerspr\u00fcchlich und m\u00fchsam lieb, doch wie alle, die ihn liebten (einschlie\u00dflich seiner beiden Kinder, insbesondere seiner beiden Kinder), versuchte ich, mich so weit wie m\u00f6glich von ihm fernzuhalten, weil er das Leben anderer erstickte, alles und jeden manipulierte, er war der perfekte Skorpion, der den See auf dem R\u00fccken eines Frosches \u00fcberquert.<\/p>\n<p>Als ich jedoch zu Beginn meiner Karriere war und in Schwierigkeiten geriet, war er der einzige, der mir wirklich geholfen hat &#8211; und als ich wieder auf dem Gleichgewicht war, warf er mir eine feierliche Abzocke, den ersten Versuch und den letzten, mit dem er mit mir erfolgreich war, weil ich dann vorsichtig wurde. Aber ich mache mir keine Illusionen dar\u00fcber, dass er jemals eine echte Freundschaft f\u00fcr irgendjemanden empfunden hat, auch wenn er wirklich witzig war.<\/p>\n<p>Ich war einmal mit Helmut, meinem Schwiegervater aus Leipzig, unterwegs. Aldo traf uns auf dem Hauptplatz von Locarno, sprang drohend aus einer S\u00e4ule hervor, er trug einen schwarzen Umhang und einen Gangsterhut aus den 30er Jahren, und Helmut glaubte wirklich, den Teufel selbst oder zumindest den Chef seiner pers\u00f6nlichen Wache getroffen zu haben. Wenn auch immer wir mit seinem Publikum an einem Tisch sa\u00dfen, gab er oft vor, mir oder jemand anderen etwas ins Ohr zu fl\u00fcstern. Um den Eindruck von Spionage erweckt, sagte er.<\/p>\n<div id=\"attachment_194\" style=\"width: 460px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-194\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-194\" src=\"https:\/\/ibiworld.eu\/de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/ITA005-02.jpg\" alt=\"\" width=\"450\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/ibiworld.eu\/de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/ITA005-02.jpg 500w, https:\/\/ibiworld.eu\/de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/ITA005-02-300x200.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 450px) 100vw, 450px\" \/><p id=\"caption-attachment-194\" class=\"wp-caption-text\">Das Restaurant an dem Quai von Como, in dem Anghessa seine Kontakte und Kunden einlud<\/p><\/div>\n<p>Einmal gab es in einem sehr teuren Restaurant in Bellagio eine amerikanische Familie, die Spaghetti mit Butter a\u00df, auf die sie Ketchup gepresst hatten. Aldo ging ihnen entgegen und f\u00fctterte sie von seinem Teller, damit sie den Unterschied schmecken konnten. Sie wussten nicht, wie sie sich verhalten sollten, sie erkannten nur, dass sie sich l\u00e4cherlich gemacht hatten. Auch weil das, was Aldo &#8222;Englisch sprechen&#8220; nannte, dramatisch lustig und kaum verst\u00e4ndlich war. Ich kenne viele Schmuggler und H\u00e4ndler von Waffen und Giftm\u00fcll, die ihn als eine Art harmlosen Schlangenbeschw\u00f6rer verehrten. Aber er war nie harmlos.<\/p>\n<p>Noch heute, im Gef\u00e4ngnis (es sei denn, er ist tot) befindet sich ein weiterer Menschenh\u00e4ndler, ein ehemaliger Dienstagent, den Aldo \u00fcberzeugt hatte, mit General Ba zu verhandeln, einem der Milit\u00e4rf\u00fchrer der RUF, der Miliz der S\u00f6ldner und Kindersoldaten des Diktators von Liberia, Charles Taylor. Der Agent sollte den Liberianern eine gef\u00e4lschte Menge Maschinengewehre verkaufen und, bei der Waffenabgabe, sie dann von der Polizei wegen jener Massaker verhaften lassen, den RUF in Sierra Leone durchf\u00fchrte.<\/p>\n<p>Dieser Agent, ein anderer Verr\u00fcckter, ging mit seiner Frau dorthin, um sie zu beeindrucken. Der Milizsoldat gab ihr einen engen Hof, das M\u00e4dchen wurde beeindruckt und flirtete. Pl\u00f6tzlich runzelte der General die Stirn und sagte, in dem er pl\u00f6tzlich von Englisch zu Italienisch wechselte: &#8222;Dies ist eine Hure, sie ist gef\u00e4hrlich f\u00fcr unseren Beruf, du solltest sie besser loswerden&#8220;. Er zog eine Knarre heraus und zerschmetterte ihren Kopf mit einem Schuss aus n\u00e4chster N\u00e4he, dann stand er auf und verschwand in der obsz\u00f6nen und schw\u00fclen Ruhe von Monrovia. Aldo brachte den verzweifelten Mann nach Italien zur\u00fcck, der war aber verr\u00fcckt geworden und hat sich nie erholt.<\/p>\n<p>Aldo hat seine Rolle nie verlassen, auch nicht, wenn er sein Leben riskierte oder die Mauer der L\u00e4cherlichkeit durchbrach. Nur einmal habe ich ihn so gesehen, wie er wirklich war. Er hatte ein Jahr im Gef\u00e4ngnis verbracht, er wirkte zerst\u00f6rt, hatte keinen Pfennig. Er wusste nicht, wohin er gehen sollte, war von unkontrollierbarem Zittern ersch\u00fcttert, er war schmutzig und konfus (genau der Aldo, der sich so sehr um jedes Detail seines Auftretens und Aussehens k\u00fcmmerte). Er stolperte \u00fcber S\u00e4tze, weinte.<\/p>\n<div id=\"attachment_195\" style=\"width: 460px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-195\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-195\" src=\"https:\/\/ibiworld.eu\/de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/ITA005-03.jpg\" alt=\"\" width=\"450\" height=\"241\" srcset=\"https:\/\/ibiworld.eu\/de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/ITA005-03.jpg 600w, https:\/\/ibiworld.eu\/de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/ITA005-03-300x161.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 450px) 100vw, 450px\" \/><p id=\"caption-attachment-195\" class=\"wp-caption-text\">RUF-S\u00f6ldner und Kindersoldaten im B\u00fcrgerkrieg von Sierra Leone<\/p><\/div>\n<p>Meine Frau Kerstin und ich lebten damals in Menaggio. Wir nahmen ihn mit nach Hause und hielten ihn eine Woche lang dort, und es war, als w\u00fcrde ein trauriges, verwirrtes Kind herumliegen und Reden halten, die er nie zuvor und nie wieder danach gehalten hat. Er zeigte schlie\u00dflich die Angst, die sein ganzes Leben pr\u00e4gte &#8211; und es war seine gro\u00dfe St\u00e4rke, denn mit diesem Schrecken hinter seinen R\u00fccken war er zu allem f\u00e4hig: zu endlosen Reisen, ohne jemals zu schlafen; zu einem unaussprechlichen Zynismus; zu L\u00fcgen; und hatte eine unangenehme und zugleich elegante Art zu drohen, um jemanden zu erschrecken. Und um Geld zu verdienen, in dem er den Mond versprach und dann einen Kieselstein vom Stra\u00dfenrand lieferte, der er als Venusianischer Stein angab.<\/p>\n<p>In seiner Jugend wollte er Fallschirmj\u00e4ger werden, aber man hat ihn verworfen. Und dann hat man ihn von den Marines verworfen, und er muss zu jenem Zeitpunkt einen Streich gespielt haben, weil er aus dem Verkehr gezogen wurde, eine schwangere Freundin zur\u00fccklie\u00df und tauchte nur einige Jahre sp\u00e4ter wieder auf: er zu Fu\u00df nach Israel gefl\u00fcchtet, nach dem er angeblich Holz in Beirut gehandelt hatte. Da wurde er wegen Landstreichens verhaftet und nach Italien zur\u00fcckgef\u00fchrt. Kurz danach, tauchte noch einmal wie ein Maulwurf aus einem Tunnel heraus, auf halbem Weg zwischen Bellinzona und Locarno, wo er eine Gastwirtin getroffen und geheiratet hatte, einen Sohn bekam, und begann, um seinen Lebensunterhalt zu prahlen.<\/p>\n<p>Die Methode war immer die gleiche. Er las die Zeitungen und sprach, als er auf eine interessante strafrechtliche Untersuchung stie\u00df, mit den Journalisten, die daran arbeiteten. Dann erfand er eine alternative Wahrheit. Dann tat er drei Dinge: stellte sich dem Richter vor, und behauptete, ein ehemaliger Geheimagent zu sein, der jetzt freiberuflich t\u00e4tig ist und neue Beweise hatte &#8211; und bat um Geld. Dann stellte er sich den Verd\u00e4chtigen vor, versprach ihnen Schutz durch Fehlleitung oder durch Beweise, dass andere Freunde miteinbezogen h\u00e4tten &#8211; und bat um Geld. Dann sprach er mit Reportern und baute eine alternative Geschichte f\u00fcr sie auf &#8211; 50% wahr und 50% falsch.<\/p>\n<p>Die F\u00e4lschung baute er manchmal mit echten Dokumenten. Er hat das auch mit mir gemacht, das erste Mal. Sie nannte mich per sie, und gab mir das Gef\u00fchl, wichtig zu sein. Er lud mich zum Mittag- oder Abendessen in ein teures Hotel in Como ein, wo er nicht bezahlte, weil er den Besitzer erpresste. Dieser hatte ihm die Dokumente gegeben, um sich selbst in einem Skandal zu sch\u00fctzen, und Aldo hatte sie dem Richter gegeben. Alfa-Alfa war ein intelligenter Mann und erriet oft die Wahrheit, indem er sie erfand, wie zu der Zeit, als er eine Karussellfahrt mit einem fast blinden italienischen Treuh\u00e4nder in London unternahm, der ihm mindestens zwei Jahre vor der offiziellen Entdeckung die Wahrheit \u00fcber die Bestechungsgelder der Telekom Serbien sagte.<\/p>\n<p>Aldo war ber\u00fchmt geworden f\u00fcr die Erfindung von &#8222;rotem Quecksilber&#8220;, von dem er behauptete, es sei eine Substanz, die Flugzeuge f\u00fcr das Radar unsichtbar machte, und benutzte eine wahre Geschichte des Waffenschmuggels zwischen Triest und Slowenien (das damals noch Jugoslawien war), um sich bei den Polizeibeh\u00f6rden zu akkreditieren und lebte jahrelang davon &#8211; und stieg an Bord eines Schmuggelschiffs, der Boustany One, dem er Schutz versprach und das er dann an die Justiz verkaufte. W\u00e4hrend des Bosnienkrieges, entdeckte Aldo einen echten Betrugsfall gegen den neugeborenen slowenischen Staat und meldete ihn den deutschen Beh\u00f6rden &#8211; aber es war eine Untersuchung, die prominenten Menschen traf.<\/p>\n<p>Die Staatsanwaltschaft von M\u00fcnchen schickte einen Inkognito-Inspektor, um Nachforschungen anzustellen, obwohl Aldo davon abgeraten hatte. Der Deutsche Polizist wurde mit seiner Frau in Trient get\u00f6tet, und der \u00f6rtliche Richter (der dann eine lange und erfolgreiche Karriere machte) konnte nie die Wahrheit \u00fcber diese Morde herausfinden. Ich schrieb dar\u00fcber zwei wichtige Geschichten f\u00fcr die deutsche Presse, und Aldo brachte mich deswegen dazu, einen slowenischen Menschenh\u00e4ndler zu treffen: einen be\u00e4ngstigenden Mann, der jetzt in Australien eine lebenslange Haftstrafe wegen mehrfachen Mordes, P\u00e4dophilie und Autodiebstahls verb\u00fc\u00dft. Ein anderer Verr\u00fcckter.<\/p>\n<div id=\"attachment_196\" style=\"width: 460px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-196\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-196\" src=\"https:\/\/ibiworld.eu\/de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/ITA005-04.jpg\" alt=\"\" width=\"450\" height=\"252\" srcset=\"https:\/\/ibiworld.eu\/de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/ITA005-04.jpg 625w, https:\/\/ibiworld.eu\/de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/ITA005-04-600x336.jpg 600w, https:\/\/ibiworld.eu\/de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/ITA005-04-300x168.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 450px) 100vw, 450px\" \/><p id=\"caption-attachment-196\" class=\"wp-caption-text\">Eines der Schiffe, die von Anghessa wegen Schmuggels von Giftm\u00fcll nach Afrika gemeldet wurden<\/p><\/div>\n<p>Alle Staatsanw\u00e4lte, die mit Aldo zusammengearbeitet hatten, gerieten in Schwierigkeiten, weil sie nach einer Weile nicht mehr verstanden, was wahr und was falsch war. Er wurde von RTSI (dem Tessiner Staatsfernsehen) interviewt und sagte, dass im Genfer Zollamt eine Atombombe in einer Truhe vergessen worden sei, und gab sogar die Seriennummern der Kiste an. Wie hatte er sie bekommen? Er hatte angeboten, im Auftrag einiger dominikanischer Schmuggler, Arsen und Sprengstoff zu verkaufen, und dann die Daten aus jener Kiste der Kantonspolizei \u00fcbergeben. Der Genfer Offizier, der die Verhaftungen vorgenommen hatte, erz\u00e4hlte mir, dass er sich vor Lachen umgehauen hatte, als er die Kiste identifiziert und beschlagnahmt hatte, auf dem ein Arbeiter sa\u00df und ein Sandwich mit Wurst und Bier konsumierte. Man hatte ihm gesagt, er solle sich nicht bewegen, er sitze vielleicht auf einem Atomger\u00e4t, und der arme Kerl habe sich vor Schreck \u00fcbergeben und sei ohnm\u00e4chtig geworden.<\/p>\n<p>Als man aufh\u00f6rte, ihm zu glauben, tat er, was meiner Meinung nach sein Meisterwerk wurde. Der Z\u00fcrcher Honorarkonsul eines s\u00fcdamerikanischen Landes wurde in den Ruhestand versetzt, seine Frau lag wegen Krebs im Sterben, ihm ging das Geld aus und er verkaufte den Gep\u00e4ckinhalt aller B\u00fcrger des s\u00fcdamerikanischen Landes, die im Laufe der Jahre durch sein Haus gegangen waren und etwas liegen gelassen hatten. Der Konsul (noch ein Verr\u00fcckter) legte Anzeigen in die Zeitung und schrieb in einer, dass er eine Aktentasche mit einer Flasche Uran und einer nicht identifizierten roten Fl\u00fcssigkeit hatte. Aldo sagte zu ihm: Ich bin Alpha-Alpha, alias Commander Manfredini von der CIA, ich werde mich darum k\u00fcmmern. Er rief zwei im Tessin lebende Kuriere der sizilianischen Mafia an, die den manipulierten Ermittlungen der Justiz in Lugano entkommen waren, zwei Mobber aus einer slawischen Vorstadtbar und einen echten russischen Waffenmakler und organisierte ein Treffen in Z\u00fcrich, um angereichertes Uran und rotes Quecksilber zu verkaufen. Alles Bullshit. Aber die Z\u00fcrcher Polizei glaubte es, und verhaftete alle, Aldo sammelte sein Kopfgeld. Schlie\u00dflich war keiner der Angeklagten wirklich unschuldig.<\/p>\n<p>Dieses Spiel machte er abertausend Mal, bis er auf die Tatsache stie\u00df, dass die Justiz beschlossen hatte, sich f\u00fcr den gro\u00dfen Geldbetrag, den er die Polizei betrogen hatte, zu r\u00e4chen. Unter anderem sagten die Beh\u00f6rden, er habe mehrmals gewarnt, dass sich Bomben in den Z\u00fcgen bef\u00e4nden und das Kopfgeld eingesammelt. Es wurde dann festgestellt, dass die Bomben nicht explodiert h\u00e4tten k\u00f6nnen, und bei der Verhandlung wurde behauptet, Aldo habe selbst die Bomben gelegt.<\/p>\n<p>Er hatte ein H\u00e4ndchen daf\u00fcr, Verr\u00fcckte wie Guido Garelli zu entdecken. Dieser letzter hatte einen nichtexistierenden Staat in der s\u00fcdlibyschen W\u00fcste erfunden und begonnen, mit Waffen, Gold, \u00d6l zu handeln und Giftm\u00fcll zu begraben. Aldo stahl seine Frau (die sp\u00e4ter die Mutter seines letzten Kindes, eines kleinen M\u00e4dchens, wurde), gab alle Unterlage der Polizei, und Garelli landete zuerst im Gef\u00e4ngnis, dann in einer Anstalt. Aldo sagte zu mir: Ich rieche solche Verr\u00fcckte, weil ich nur zu gut wei\u00df, wie sie sind, tief in ihrer Seele. Bei mir k\u00f6nnen sie nicht l\u00fcgen &#8211; sagte er &#8211; weil ich der Herr aller L\u00fcgen bin, die anderen sind nur erb\u00e4rmliche Amateure.<\/p>\n<div id=\"attachment_197\" style=\"width: 385px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-197\" loading=\"lazy\" class=\"size-full wp-image-197\" src=\"https:\/\/ibiworld.eu\/de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/ITA005-05.jpg\" alt=\"\" width=\"375\" height=\"500\" srcset=\"https:\/\/ibiworld.eu\/de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/ITA005-05.jpg 375w, https:\/\/ibiworld.eu\/de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/ITA005-05-225x300.jpg 225w\" sizes=\"(max-width: 375px) 100vw, 375px\" \/><p id=\"caption-attachment-197\" class=\"wp-caption-text\">Das Cover der Wochenschrift &#8222;L\u2019Europeo&#8220; \u00fcber eine Alfa-Alfa-Untersuchung<\/p><\/div>\n<p>In seinem letzten Ritt, von dem er hoffte, dass es echt und sauber h\u00e4tte sein k\u00f6nnen, auf der Suche nach einem ukrainischen Gasliefervertrag, steckte seine ganze Energie, aber brachte seine Kinder in Schwierigkeiten (und mich auch, wenn ich nicht vorsichtig gewesen w\u00e4re), und dann musste er nach Dakar fliehen, weil er mittlerweile bestraft worden war und allzu gut wusste, dass er im Gef\u00e4ngnis sterben w\u00fcrde. In diesem letzten Rennen, in dem er wirklich ehrlich war, scheiterte er, weil er nicht wusste, wie man als Team arbeitet, und er umgab sich mit Idioten, die nach Geld d\u00fcrsteten und keine F\u00e4higkeiten hatten \u2013 und die Operation zum Scheitern brachten.<\/p>\n<p>Er hatte nie Freunde, er hasste sich mit Hartn\u00e4ckigkeit und Ern\u00fcchterung, sein ganzes Leben lang verfolgte er den Traum, ein wahrer Held zu werden, wirklich der 007 zu sein, den er vorgab zu sein &#8211; und er litt unter dem Wissen, dass er es niemals sein w\u00fcrde. Und genau das erm\u00f6glichte es ihm, seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Deshalb habe ich ihn liebgehabt, weil ich ihn verstanden habe. Denn obwohl er beruflich einige Probleme f\u00fcr mich verursachte, schrieb ich beim Ver\u00f6ffentlichen nur das, von dem ich wusste, dass es wahr und dokumentiert war &#8211; und er w\u00fcrde daf\u00fcr sehr w\u00fctend und verschwand monatelang. Nachdem er mir einmal befohlen hatte, einen Artikel zu schreiben, wozu ich nein sagte, verschwand er f\u00fcr \u00fcber ein Jahr und tauchte dann an Bord eines Lotus (er sah aus wie der Delorian von \u201eZur\u00fcck in die Zukunft\u201c&#8230;) vor der T\u00fcr der Z\u00fcrcher Wochenzeitung auf, f\u00fcr die ich arbeitete \u2013 als w\u00e4re nichts passiert.<\/p>\n<p>Aber er war allein, immer allein, schrecklich allein: Er hat alle verraten, dann hat er um Hilfe gebeten, und er ist allein gestorben wie ein Hund, im Exil, in Dakar, vergessen und diskreditiert. Das Italien, in dem er schwamm, war das der 70er Jahre, im neuen Jahrhundert war er fehl am Platz, er wusste nicht mehr, wie er sich verhalten sollte, seine Tricks funktionierten nicht mehr, die Menschen hatten sich ver\u00e4ndert. Ich habe in den Zeitungen gelesen, dass er gestorben ist, und es hat mich schrecklich verletzt. Ich schulde ihm einige Lektionen f\u00fcrs Leben, die ich nicht vergessen werde: nicht die Frechheit, aber was f\u00fcr einen unertr\u00e4glichen Preis, den man zahlt, um immer und konsequent ein Prahler, ein Manipulator, ein zynischer Skorpion zu sein.<\/p>\n<p>Ich hatte seit fast zwanzig Jahren nichts mehr von ihm geh\u00f6rt. Aber ich habe ihn nie vergessen. In meinem au\u00dfergew\u00f6hnlichen Galopp im Leben bleibt Aldo Anghessa unvergesslich. Aus diesem Grund wollte ich allen, wie ein Gro\u00dfvater seiner Enkelkinder, am Feuer, von ihm erz\u00e4hlen. Kein anderer Journalist, der ihn gut kannte und mit ihm zusammenarbeitete, wird jemals den Mut dazu haben.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Aldo Anghessa ist tot. Der legend\u00e4re Alpha-Alpha, a.k.a Agent Lotti-Ghetti, oder Commander Manfredini. W\u00e4hlen Sie aus Tausenden von erfolgreichen Masken. 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